汉语里尔克 汉语里尔克 so leben wir und nehmen immer Abschied. 2018年01月18日 5:53:57
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Die Waldfee

Rainer Maria Rilke


(上传时间:2010-6-3 15:18:45)

Ganz stille lag noch Wald und Hag
in morgen frischem Schweigen;
denn erst begann der junge Tag
im Ost empor zu steigen.

So lauschig rings, so zaubervoll
wars in den duftgen Hallen —
da plötzlich aus der Ferne scholl
Hornklang und Peitschenknallen.

Und immer näher tönts heran
vom Windhauch fortgetragen,
schon schlägt die Meute heulend an,
heut giebts ein lustig Jagen.

Voran der Prinz auf edlem Roß
sprengt hin in den Gehegen
und hintendrein der ganze Troß
auf ungebahnten Wegen.

Und vorwärts gings mit Hörnerschall
durch Felder hin und Fluren,
mit Jagdruf und mit Peitschenknall
gefolgt den schweißgen Spuren.

»Daß heut sich unser Wunsch erfüllt!
Wir dürfen nimmer weichen!«
So rief der Prinz, »das edle Wild,
wir müssen es erreichen«.

Dem Prinzen war nichts rasch genug,
jetzt kannte er kein Weilen,
fort, weiter, weiter stets im Flug,
die Hirschkuh zu ereilen.

Dahin.... hinan den Hügel dort
in Eile und in Hasten,
und weiter, weiter, immerfort
kein Ruhen und kein Rasten.

Den Herren wurde nun schon bang
vor Mühe und Beschwerde,
und mancher wackre Reiter sank
bewußtlos hin vom Pferde.

Dem Prinzen galt das alles gleich,
er ruft: »Ihr Herrn, nicht zagen,
und gilt es heut ins Himmelreich
direkt hinein zu jagen.

Heut folge jeder stumm und still,
wärs auch mit Widerstreben,
es ist genug, ich sag ›Ich will‹
und gilts mein eignes Leben!«

Ja keine Gnade war mehr hier
beim Prinzen wohl zu finden,
nach fliegt er dem gequälten Tier,
dem schon die Kräfte schwinden.

Jetzt stürzt es hin zum wilden Bach,
der Prinz, keck und verwogen
sprengt weiter im Galopp ihm nach,
gespannt den Todesbogen.

Die Sehne klirrt, der Pfeil er schnellt
am Ohr vorbei dem Pferde —
Holla! Die Hirschkuh wankt und fällt
getroffen hin zur Erde.

Der Prinz eilt hin, es ist erfüllt
sein Wunsch. Er kniet daneben,
bereit, dem heißersehnten Wild
den Waidmannsfang zu geben.

Schon will er stoßen mit Gewalt —
Da! himmlisches Entzücken,
es hebt sich eine Huldgestalt
empor vor seinen Blicken.

Er sieht ein wundervolles Weib,
wie Zauber hingegossen,
den schönen äthergleichen Leib
leicht von Gewand umflossen.

Und wie sie nun so vor ihm steht,
ihr Aug schien ihn zu blenden,
entsinkt das scharfe Mordgerät
den blutbefleckten Händen.

Er schaut und will nur immer schaun,
in ihren Augen lesen,
dann ruft er: »Herrlichste der Fraun,
holdselig Zauberwesen —

was find ich hier doch im Geheg
des Himmels schönsten Segen,
du trittst auf ungebahntem Weg
mir engelsgleich entgegen.

O sprich, was nennst du dein Begehr,
ich will dir alles geben —
und wenn es selbst das Höchste wär —
ja, so du willst, mein — Leben.«

Doch sie sieht strengen Blicks ihn an:
»Wie konntest du es wagen:
Verwegner, was hast du getan,
her Mord und Tod zu tragen.

Verstehst des Tieres Flehn du nicht,
begreifst nicht seine Schmerzen,
und fühlst du's, wenn sein Auge bricht,
nicht auch in deinem Herzen? —

Gönnst du ihm nimmer seinen Teil,
mußt du mit frevlen Händen
entsenden deinen Todespfeil,
sein schuldlos Sein zu enden?

Wohlan ich geb dir Gnade nicht,
du mögst dein Urteil hören,
nie sollst du mehr zum Tageslicht
zum hellen wiederkehren.

Send einmal noch zum Abschiedsgruß
jetzt deinen Blick ins Weite —
dann mußt du folgen meinem Fuß,
wenn ich zur Tiefe schreite.«

Starr sah der Prinz die Waldfee an,
bleich waren seine Wangen,
ists Wahrheit oder ists ein Wahn,
der täuschend ihn umfangen?

Ihm ward so wohl und doch so bang,
er bat nicht um Erbarmen,
er kniete vor ihr und umschlang
sie fest mit seinen Armen.

»Führ mich, du süßes Zauberbild,
und drohten tausend Leiden,
führ mich, mein Sehnen ist gestillt,
und heiße mich nicht scheiden!«

Sie zog, er ließ es still geschehn,
ihn mit zum Wildbach nieder,
auf immer wars um ihn geschehn,
nie sah man mehr ihn wieder.....

Doch wagst du tief dich in den Wald,
vernimmst du eine Weise,
geheimnisvoll ein Hüfthorn schallt
von ferne leise, leise....

So schützt mit ihrer Götterhand
die Waldfee ihre Herde,
und wehe, wenn drein Tod gesandt
ein kecker Sohn der Erde.

Sie winkt sein Urteil ihm und sprichts,
umsonst ist all sein Wehren,
er folgt ihr und zum Reich des Lichts
darf nie er wiederkehren.

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